Kurz gesagt: Bei Steuern für Influencer geht das Finanzamt in der Regel von einem Gewerbebetrieb aus, sobald du regelmäßig und mit Gewinnabsicht Geld oder Sachleistungen verdienst. Dann meldest du ein Gewerbe an, füllst innerhalb eines Monats den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER aus und zahlst Einkommensteuer auf deinen Gewinn. Gratisprodukte, Reisen und Einladungen zählen grundsätzlich als Einnahmen; Umsatzsteuer und Gewerbesteuer fallen erst oberhalb bestimmter Grenzen an.
Viele Creator merken erst spät, dass aus dem Hobby ein Geschäft geworden ist. Dieser Artikel zeigt dir die wichtigsten steuerlichen Pflichten in Deutschland, nach dem Stand im Oktober 2026 und auf Basis der Hinweise der Finanzverwaltung. Das ist eine allgemeine Information und keine Steuerberatung. Für deinen konkreten Fall sind eine Steuerberaterin, ein Steuerberater oder dein Finanzamt die richtige Adresse.
Ist Influencer-Tätigkeit ein Gewerbe?
Das Bayerische Landesamt für Steuern ordnet die Tätigkeit so ein: Wer regelmäßig, selbständig und wiederholt mit Gewinnerzielungsabsicht als Influencer arbeitet, erzielt Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Gewinnabsicht heißt dabei nur, dass du mehr einnehmen als ausgeben willst. Ob das am Ende auch gelingt, ist zweitrangig.
Verdienst du nur gelegentlich etwas, etwa durch eine einmalige Kooperation, kann es sich um sonstige Einkünfte handeln. Die sind steuerpflichtig, wenn sie im Jahr insgesamt 256 Euro oder mehr erreichen.
Wichtig: Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer werden getrennt geprüft. Jede Steuer hat eigene Voraussetzungen und eigene Grenzen.
Was musst du beim Start erledigen?
- Gewerbe anmelden: beim Gewerbeamt deiner Gemeinde.
- Fragebogen zur steuerlichen Erfassung: elektronisch über ELSTER, innerhalb eines Monats nach Beginn der Tätigkeit. Daraus erkennt das Finanzamt, welche Steuern für dich in Frage kommen, und vergibt dir eine Steuernummer.
- Alles dokumentieren: Einnahmen, Ausgaben, Verträge, Gutschriften und erhaltene Produkte, am besten vom ersten Tag an.
Wie viel Einkommensteuer zahlst du?
Besteuert wird dein Gewinn, also deine Einnahmen abzüglich der Betriebsausgaben. Einnahmen aus Affiliate-Marketing gehören dazu. In der Regel ermittelst du den Gewinn mit einer Einnahmenüberschussrechnung (EÜR).
Der Grundfreibetrag liegt 2026 bei 12.348 Euro (2025: 12.096 Euro). Er gilt aber für dein gesamtes zu versteuerndes Einkommen. Hast du nebenbei einen Job, werden Lohn und Gewinn aus dem Creator-Business zusammengerechnet. Die Einkommensteuererklärung gibst du elektronisch ab.
Wenn du grob abschätzen willst, was dein Account einbringen könnte, hilft dir unser Instagram-Verdienstrechner oder der YouTube-Verdienstrechner. Steuerlich zählt aber immer, was tatsächlich bei dir ankommt.
Zählen Gratisprodukte und Reisen als Einnahmen?
Ja, grundsätzlich schon. Laut Finanzverwaltung unterliegen Sachzuwendungen wie Produkttests, kostenlose Hotelaufenthalte oder Einladungen zu Events und Reisen sowohl der Einkommensteuer als auch der Umsatzsteuer.
Ausnahmen sind möglich, wenn du:
- das Produkt zurückgeben musst,
- nur Dinge von sehr geringem Wert bekommst oder
- das Partnerunternehmen die Steuer für dich übernimmt.
Den Wert festzulegen ist oft schwierig, solange der übliche Marktpreis nicht bekannt ist. Halte deshalb fest, was du wann von wem bekommen hast. Dieselben Zuwendungen spielen übrigens auch bei der Werbekennzeichnung für Influencer eine Rolle, denn sie können eine Gegenleistung sein.
Gilt für dich die Kleinunternehmerregelung?
Umsatzsteuerlich bist du Unternehmer, sobald du selbständig und nachhaltig Einnahmen erzielst. Auf eine Gewinnabsicht kommt es hier nicht an. Seit dem 1. Januar 2025 gilt für Kleinunternehmer nach § 19 UStG:
- Dein Gesamtumsatz lag im Vorjahr bei höchstens 25.000 Euro und
- liegt im laufenden Jahr bei höchstens 100.000 Euro.
- Startest du im Laufe des Jahres, gilt die Grenze von 25.000 Euro.
- Überschreitest du im laufenden Jahr die 100.000 Euro, ist bereits der Umsatz steuerpflichtig, mit dem du die Grenze überschreitest.
Als Kleinunternehmer sind deine Umsätze steuerfrei. Du weist keine Umsatzsteuer auf Rechnungen aus, darfst aber auch keine Vorsteuer abziehen. Eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung musst du für Zeiträume ab 2024 in der Regel nicht mehr abgeben, außer in Ausnahmefällen oder wenn das Finanzamt dich auffordert.
Du kannst auf die Regelung verzichten, etwa wenn du viel in Technik investierst und Vorsteuer zurückholen möchtest. An diesen Verzicht bist du dann fünf Jahre gebunden. Bei regulärer Besteuerung stellst du Rechnungen meist mit 19 Prozent, teils mit 7 Prozent Umsatzsteuer aus und gibst monatlich oder vierteljährlich Voranmeldungen sowie eine Jahreserklärung ab. Erstellen Agenturen oder Plattformen Gutschriften für dich, musst du die Umsätze trotzdem selbst erklären.
Ab wann fällt Gewerbesteuer an?
Influencer-Tätigkeit ist in der Regel gewerbesteuerpflichtig. Zahlen musst du aber erst, wenn dein Gewerbeertrag, abgerundet auf volle 100 Euro, den Freibetrag von 24.500 Euro übersteigt. Der Gewerbeertrag ist dein Gewinn, erhöht um bestimmte Hinzurechnungen und vermindert um bestimmte Kürzungen. Wie hoch die Steuer ausfällt, hängt vom Hebesatz deiner Gemeinde ab. Ein Teil der Gewerbesteuer wird auf die Einkommensteuer angerechnet, sodass die Belastung am Ende oft geringer ist, als es zunächst aussieht.
| Steuer | Wann sie relevant wird | Wichtige Grenze |
|---|---|---|
| Einkommensteuer | Gewinn aus Gewerbebetrieb oder gelegentliche sonstige Einkünfte | Grundfreibetrag 12.348 Euro (2026) für das gesamte Einkommen; sonstige Einkünfte ab 256 Euro |
| Umsatzsteuer | Nachhaltige, selbständige Einnahmen, auch ohne Gewinn | Kleinunternehmer: höchstens 25.000 Euro Vorjahr und 100.000 Euro laufendes Jahr |
| Gewerbesteuer | Gewerbliche Influencer-Tätigkeit | Freibetrag 24.500 Euro Gewerbeertrag |
Was passiert, wenn du nichts meldest?
Die Finanzverwaltung nennt klare Folgen: Steuern werden nachgefordert, dazu kommen hohe Zinsen und Bußgelder, in extremen Fällen sogar eine Freiheitsstrafe. Wer früh sauber startet, hat es deutlich leichter als jemand, der Jahre später alles nachholen muss.
Steuerliche Pflichten sind übrigens nur ein Teil der rechtlichen Seite deines Accounts. Was das Wettbewerbsrecht zu gekaufter Reichweite sagt, erklärt der Artikel Ist Follower kaufen in Deutschland legal?
Häufige Fragen
Muss ich Steuern zahlen, wenn ich nur ein paar hundert Euro im Jahr verdiene?
Das hängt von der Einordnung ab. Gelegentliche sonstige Einkünfte sind ab insgesamt 256 Euro im Jahr steuerpflichtig. Ist deine Tätigkeit ein Gewerbe, zählt der Gewinn zu deinem Gesamteinkommen; ob tatsächlich Einkommensteuer anfällt, entscheidet sich dann über den Grundfreibetrag und deine übrigen Einkünfte.
Muss ich Produkte versteuern, die ich nach dem Test zurückschicke?
Musst du ein Produkt zurückgeben, kann die Steuerpflicht für diese Sachzuwendung nach den Hinweisen der Finanzverwaltung entfallen. Dokumentiere die Rücksendung, damit du sie im Zweifel belegen kannst.
Wie sieht eine Rechnung als Kleinunternehmer aus?
Sie enthält Namen und Anschrift von dir und deinem Kunden, deine Steuernummer, Umsatzsteuer-Identifikationsnummer oder Kleinunternehmer-Identifikationsnummer, das Datum, Menge und Art der Leistung, einen Gesamtbetrag und einen Hinweis auf die Steuerbefreiung als Kleinunternehmer. Umsatzsteuer weist du nicht aus.
Brauche ich einen Steuerberater, um als Influencer zu starten?
Bei komplexeren Themen wie Abschreibungen, Rechnungsanforderungen, Einnahmenüberschussrechnung, Umsatzsteuer-Voranmeldungen oder der Steuererklärung empfiehlt das Bayerische Landesamt für Steuern, eine Steuerberaterin, einen Steuerberater oder das Finanzamt zu fragen. Gerade im ersten Jahr kann sich ein Beratungstermin lohnen, weil dort die Weichen gestellt werden.
Quellen: Bayerisches Landesamt für Steuern: Ich bin Influencer – Muss ich Steuern zahlen? (Stand August 2026), Bayerisches Landesamt für Steuern: Häufige Fragen zur Umsatzsteuer, Bayerisches Landesamt für Steuern: Influencerinnen und Influencer
